Spiral Dynamics, Design Thinking & Co

Mit Spiral Dynamics Bewusstsein & Seele entfalten

Tiefer Einsteigen ins Design Thinking:

Mit Gamification beim Spielen und Lernen die Seele erwecken

Flucht, Therapeuten, Scheiße und Wurzeln

Ich habe viele Fluchtversuche aus meinem Physikstudium unternommen. Ein besonders Geglückter hat mich bis nach Nepal gebracht.

Dort geschah etwas besonderes, was mir wirklich selten widerfährt:
Ich langweilte mich.

Trotz Himalaya, Buddhistischer Tempel und köstlichem Essen hatte ich einfach keinen Bock mehr auf Reisen, Ortswechsel, Sightseeing, Wandern.

Ich sehnte mich nach geistiger Anregung jenseits des immergleichen Backpacker-„Buddhismus heilt die Welt“-Blablas.

Einmal fand ich mich in Pokhara wieder, wie ich tagsüber im dunklen Internetcafe saß und Wikipedia-Artikel über Astronomie las.

Und als ich später durch die Straßen Kathmandus schlenderte, trieb es mich in einen Buchladen und dort blieb ich den halben Tag hängen. Die Reisenden aus der ganzen Welt hinterließen, verkauften oder tauschten hier ihre mitgebrachten Bücher.
Ich schämte mich ein bisschen für meine Entdeckungsfaulheit gegenüber den Kulturen, die ich besuchte – aber ich empfand eine unheimliche Anziehungskraft gegenüber den deutschen und englischen Büchern. Die ganz banalen Romane ließen mich kalt. Aber alles, was sich an verdaulicher, westlicher intellektueller Kultur finden ließ, sog ich auf.

Ich versank in der Welt der Therapeuten, Forscher und Philosophen.

Da war zum Beispiel Jared Diamonds geniales Werk „Guns, Germs and Steel“ über die Entwicklung der geowirtschaftlichen Ungleichheit in der Welt. Da war ein kleines schönes Büchlein von Kafka.

Und ich entdeckte die Romane von Irvin Yalom. Die Schopenhauer-Kur verschlang ich sofort, danach gab es gottseidank auch noch Die rote Couch.

Für ein paar Tage konnte ich selbst Therapeut und zugleich Patient sein.

Gestern kam auf 3sat eine wundervolle Dokumentation über Irvin Yalom – Yalom’s Cure.

Sie stellt seine Arbeit als Therapeut und Autor dar und führt durch die Wendungen seines eigenen Lebens und die Mängel seiner Kindheit, die ihn auf seiner Suche nach Selbstheilung zum Therapeuten machten.

Es heißt ja oft, dass Psychologen alle selbst einen Schaden haben.
Ich glaube, für die später guten Therapeuten sollte das zutreffen.

Der buddhistishe Mönch Ajahm Brahm stellte einmal den Unterschied zwischen einem guten und einem durchschnittlichen spirituellem Lehrer fest. Und er meinte, dass die Menschen, die sich selbst durch einen dicken Haufen Scheiße buddeln mussten, später besonders gute Reiseführer raus aus der Scheiße werden.

Also, auf unsere Scheiße im Leben!

Und dafür fällt mir eine schöne Geschichte ein, die wohl ursprünglich vom großartigen Milton Erickson stammt:

Der Baum

Ein Gärtner beabsichtigte einen schönen neuen Baum zu pflanzen. Er sollte die besten Voraussetzungen zum Wachsen haben, einfach die besten, die ein Baum nur haben kann. Also hob er weiträumig um die Einpflanzungsstelle den Boden aus und entfernte alle Steine und alles was den Wurzeln des Baumes im Wege sein konnte.

Dann nahm er die weichste und lockerste Erde, die zu finden war, und schüttete sie in die vorgegrabene Vertiefung und setzte den jungen Baum hinein. Die Wurzeln sollten es so leicht wie möglich haben, sich ihren Weg zu bahnen. Ja sie sollten sich ungehindert entfalten können und sich nicht durch harten Boden kämpfen müssen, und kein Stein, sollte ihre Bahnen stören.

Der Baum wuchs schnell in die weiche Erde hinein und begann seine Wurzel in ihr auszubreiten und mit aller Kraft schoss er in die Höhe. Der Gärtner sah es mit Freude, gab dem Baum die beste Düngung und schnitt ihm den Weg zum Licht frei, indem er alle Pflanzen in der Umgebung beseitigte. So brauchte der Baum sich nicht mühen und hatte Nahrung, Licht und Helligkeit im Überfluss. Schließlich war er zu beträchtlicher Höhe emporgeschossen.

Da geschah es, dass eines Tages ein großer Sturm heranzog und mit gewaltigen Böen über das Land brauste. Der Wind griff nach dem Baum und zerrte an seinen Zweigen und Ästen und da die Pflanzen in der Umgebung alle kurz gehalten waren, traf ihn die Gewalt des Sturmes schutzlos.

Gleichfalls wäre es für einen Baum dieser Größe ein leichtes gewesen, dem Sturm zu widerstehen, doch die Wurzeln griffen nur in weichen Boden, fanden keinen Halt und keinen Stein, den sie umklammern konnten. Nirgendwo hatten sie sich durchgekämpft, nirgendwo sich Platz schaffen müssen. So drückte der Sturm den schönen Baum zur Seite, riss ihn mit samt seinen Wurzeln aus und warf ihn zu Boden.

Wir sind geboren, um frei zu sein.

Wir sind geboren, um frei zu sein.
Und wir werden es schaffen, wir werden es schaffen.

Rio Reiser singt 1970 ein Lied von der Idee eines freien, selbstbestimmten Lebens.
Es ist eine Utopie, Hoffen, Ankämpfen gegen die eigene Resignation.

Wir müssen hier raus!
Das ist die Hölle!

Wir leben im Zuchthaus!

1970 ist eigentlich eine aufregende Zeit. Während meine Eltern Jungpioniere werden, bildet sich auf der anderen Seite der Mauer gerade die Rote Armee Fraktion. Die Umweltbewegung macht die ersten Gehversuche in der Politik, die Hippies kommen in Fahrt, einige bis nach Indien zu Osho.

Rio Reiser reist nicht so weit, weder äußerlich noch innerlich.
Freiheit bleibt für ihn eine lyrische Utopie, trotz Musik und Erfolg, trotz Kreuzberg.

Mein Alter sagt, die Welt wird sich nicht ändern,
dabei weiß er ganz genau, was läuft.
Doch er glaubt, er vergißt die ganze Scheiße,
wenn er abends in der Kneipe hängt und säuft.
Er sagt, der schönste Platz ist immer an der Theke,
da hat er recht, zu Haus ist kaum noch Platz für drei.
Darum bin ich auch den ganzen Tag auf Arbeit,
man kann sagen, ich bin so frei.

1970 fängt die Welt gerade erst an, sich wieder aus dem Imperialismus zu befreien. Der kalte Krieg ist noch ziemlich kalt. Die Frauenbewegung wird langsam heißer. Schwulsein ist trotzdem noch nicht so einfach, auch nicht in Kreuzberg.
Und ich weiß nicht, ob Rios Vater Alkoholiker war, wie in dem Lied.
Aber Rio war es und ist daran mit 46 Jahren gestorben.
Depressionen waren Rio Reisers Alltag.
Wie verlockend ist es, diese für ein paar Stunden im Alkohol zu betäuben.

Ungefähr seit 1970 werden auch Antidepressiva Objekte des rationalen Wirkstoffdesigns und ein immer beliebteres Betäubungsmittel für all die Kranken.
Und heute leiden offiziell vier Millionen Deutsche an Depressionen.

Depressionen gehen einher mit einem Mangel an Glückshormonen im Gehirn.

Aber meinen Neuntklässlern in Mathe habe ich versucht zeitig beizubringen, dass man aus Korrelationen nicht einfach Kausalitäten machen sollte.

Doch noch immer glauben viele Menschen, dass das kranke Gehirn die Ursache sei – statt dies als ein Symptom zu betrachten.

Es ist auch anstrengender darüber nachzudenken, ob man eigentlich ein Leben führt, in dem man überhaupt glücklich sein kann. Ob man in dieser Gesellschaft, in der man lebt, glücklich sein kann. Ob die Zwänge, denen man sich aussetzt, einem erlauben – glücklich zu sein und wieviele man davon in seiner Kind angezogen bekommen hat.

Im Guardian schreibt Johann Hari einen pointierten Artikel darüber, dass wir Depressionen vollkommen falsch deuten. Er schreibt über seine Depressionen, die in seiner Kindheit begannen und die 14 Jahre mit Antidepressiva behandelt wurden, bevor er auf einer weltweiten Forschungsreise versuchte, den wahren Ursachen der Depressionen auf den Grund zu gehen – die Entfremdung von den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, die Resignation darüber.
„Is everything you think you know about depression wrong?“

After I learned all this, and what it means for us all, I started to long for the power to go back in time and speak to my teenage self on the day he was told a story about his depression that was going to send him off in the wrong direction for so many years. I wanted to tell him: “This pain you are feeling is not a pathology. It’s not crazy. It is a signal that your natural psychological needs are not being met. It is a form of grief – for yourself, and for the culture you live in going so wrong. I know how much it hurts. I know how deeply it cuts you. But you need to listen to this signal. We all need to listen to the people around us sending out this signal. It is telling you what is going wrong. It is telling you that you need to be connected in so many deep and stirring ways that you aren’t yet – but you can be, one day.”

If you are depressed and anxious, you are not a machine with malfunctioning parts. You are a human being with unmet needs. The only real way out of our epidemic of despair is for all of us, together, to begin to meet those human needs – for deep connection, to the things that really matter in life.

Rio Reiser hat das auch gewusst.

Wir müssen hier raus!
Das ist die Hölle!

Wir leben im Zuchthaus!

Aber er hat es nicht geschafft, sich zu befreien.

Heute sind wir kollektiv ein bisschen weiter.
Aber wir bewegen uns noch immer ziwischen so vielen Zuchthäusern.

Aber wir wissen inzwischen auch ganz gut, wie diese Zuchthäuser gebaut sind, wie wir sie vielleicht wieder abbauen können. Wie wir Häuser mit einem freierem Blick nach außen bauen, aus denen man sich auch ab und zu mal herausbewegen kann.

Und vielleicht können wir auch wieder die Welt außerhalb der Häuser sehen…

 

 

 

 

 

 

 

Lehrer und Schüler

Bei einem Spaziergang habe ich heute zufällig meinen ehemaligen Biologielehrer getroffen. Für meine eigene Zeit als Lehrer war er mir ein wichtiges Vorbild. Er war sehr streng und sehr herzlich und hat mit viel Humor und albernen Anekdoten alle Themen lebendig werden lassen.

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Wir haben dann drei Stunden über die Schönheit und Ärgernisse des Lehrerseins geredet, über die AfD, über die DDR und die Freude, am Leben zu sein.
Ich habe gemerkt, wie bereichernd es ist, Kontakt zu meinen ehemaligen Lehrern zu suchen, trotz aller Unzufriedenheit über die Pädagogik von damals.

Unsere Lehrer haben für uns Nächte durchgearbeitet, haben viele der Fähigkeiten mitgegeben, die uns dahin gebracht haben, wo wir jetzt sind. Sie haben uns unterhalten, provoziert, uns erzogen, sich für uns eingesetzt, sind an uns verzweifelt und haben gesundheitliche Schäden durch uns erlitten.

Lehrersein ist wahrscheinlich einer der schönsten und härtesten Berufe, die man sich nur suchen kann. Da steckt man Jahre intensiver, emotionaler Arbeit in pubertierende Nervensägen und dann hauen die einfach ab und kommen nicht wieder.

Ich selbst habe es lieber wieder gelassen.

Aber ich habe gelernt, dass man seine Schüler nicht mehr vergisst und dass es sehr schön ist, die Nervensägen ab und zu mal wieder zu sehen.

Endstation Schule III

Vor 7 Jahren habe ich die Schule verlassen, recht erfolgreich, aber sehr missverstanden. Jetzt bin ich wieder an einer Schule und stehe auf der anderen Seite. Und alle gehen davon aus als bliebe ich hier für den Rest meines Lebens. Warum zur Hölle tue ich das?
Habe ich denn ernsthaft vergessen, was Schule für mich hieß?

  • jahrelanges Stillsitzen
  • Regeln, die nicht von uns gemacht, sondern uns aufgezwungen wurden
  • langweiliger Unterricht
  • Lehrer, die selbst nicht besonders interessiert waren an ihrem Fach
  • behandelt zu werden wie ein Kind, obwohl man das Gefühl hatte die Welt verstanden zu haben
  • Fragen, die einem keiner beantworten konnte
  • an das Mädchen im anderen Teil des Raumes zu denken, aber stattdessen Vokabeln zu rezitieren
  • davon zu träumen sich in der Welt zu beweisen, aber stattdessen Angst zu haben drangenommen zu werden und nichts sagen zu können

Und das soll ich mir jetzt für den Rest meiner gesunden Erwachsenenzeit antun, Kindern dabei zuzugucken, wie sie selbst keinen Bock haben da zu sitzen?
Habe ich dafür Physik studiert, bin um die Welt gereist? Habe ein Unternehmen gegründet und mich nie verbiegen wollen? Um nörgelnden, pubertierenden Kindern Mathe einzupauken?
Was mache ich hier eigentlich???

 

Supertramp…

Endstation Schule II

Immer träumte ich davon die Welt zu verändern. Und das dachte ich auch über meine Arbeit als Lehrer.

ich will:

  • Schüler inspirieren,
  • ihnen zeigen, dass hinter Mathematik Schönheit steckt,
  • zu Chancen verhelfen, die andere niemals bekommen könnten
  • helfen an sich selbst zu glauben
  • zu Menschen erziehen, die die Zukunft zu einem lebenswerten Ort machen

was ich tatsächlich tue:
Lehrer sein:

  • frontal unterrichten und versuchen Wurzelgesetzt und negative Zahlen in die Schüler zu pumpen.
  • Schülern eine 6 dafür geben, dass sie versuchen abzuschreiben.
  • die Zeit stoppen, die ich warte, bis sie ruhig sind.
  • unangekündigte Tests schreiben, um zu zeigen, dass es hier schließlich um Mathe geht.
  • mir von allen Seiten sagen lassen, dass man schon die Hackordnung klären muss, bevor man konstruktiven Unterricht machen kann.

klar. ohne Respekt und Aufmerksamkeit gehts nicht.
klar, pubertierende Bengel und Gören wollen auch einfach ihre Grenzen austesten.

Aber wieviel von dieser verdammten Lehrer- und Pädagogenrolle will und kann ich einnehmen?

ich meine…als ich selbst noch auf der anderen Seite saß…habe ich nicht das gleiche gemacht? natürlich haben wir damals auch versucht abzuschreiben. natürlich will man Spaß haben mit seinen Mitschülern statt Mathe-Grammatiken zu lernen.

wo ist der Weg, auf dem beides geht? auf dem ich die Bedürfnisse der Schüler ernst nehme, trotzdem effektiven Unterricht mache und mich dabei nicht totarbeite?

 

Mein aktueller Soundtrack:

 

Endstation Schule?

Zusammenfassung meiner ersten vier Wochen als Lehrer.

1. Woche: Überleben
4h Schlaf/Nacht – keine freie Minute ohne Unterrichtsplanung
Träumen von misslungenem Unterricht und juristischen Auseinandersetzungen mit Eltern
weinen in der Straßenbahn, weil ich mir das einfacher vorgestellt habe

2. Woche
Euphorie
es scheint ungefähr zu klappen: ich mache Unterricht, die Schüler finden es halbwegs interessant, ich denk mir ein paar lustige Sachen aus, ich schlafe wieder 7h/Nacht und im Vergleich zu den anderen Anfängern bin ich scheinbar halbwegs entspannt. vielleicht…vielleicht habe ich wirklich einen job, der mir spaß macht und der wirklich sinnvoll ist

3. Woche
hmm, kranksein
ersten Unterrichtsbesuch überlebt,
aber ich stecke in einer mentalen Sackgasse: ich wollte inspirieren, stattdessen habe ich Angst, dass ich den Lehrplan nicht einhalte und versuche möglichst viel Stoff durchzukriegen und bin sauer, wenn die Kinder nicht zuhören

und warum soll ich nochmal quer durch Berlin zu Seminaren fahren?
morgens um 8 nach Britz, dann nach Zehlendorf, am nächsten Tag nach Westend.
ist ja nett, dass wir “Raum für Reflexion” bekommen, aber “Indokrination” und “Anwesenheitspflicht” bleiben leider mehr in meinem Kopf hängen.
Muss man, um Lehrer zu werden, selbst nochmal die Zwänge eines Schülers erleben?